Rede zum Neujahrsempfang des Bürgermeiseters anlässlich des 25jährigen Bestehens der Praxis

Mein Name ist Steffi Christian. Ich bin 49 Jahre jung und Inhaberin der Physiotherapie & Naturheilkundepraxis in der Graßdorfertr.23 und A.-Bebel-Str. 13a in Taucha.

Ich wurde gebeten, Ihnen heute einen kleinen Einblick in meine Firmengeschichte zu geben.

Ich war ca 14, 15 Jahre alt, als im Fernsehen die Serie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“ lief. Alspietta, die Physiotherapeutin hatte es mir angetan und da wusste ich, ich will Physiotherapeutin werden. Ich bewarb mich und bekam sofort einen Platz an der Fachschule, wo ich von 1983–86 ausgebildet wurde. Ich arbeitete seit 1986 als Physiotherapeutin in der Poliklinik Taucha, damals war es mir nicht möglich, mich selbstständig zu machen. Zum 30.05.1991 wurden jedoch alle Poliklinikmitarbeiter entlassen. Ich war 24 Jahre jung, unternehmungslustig, spontan und machte mir nicht so viele Gedanken darüber, was es wirklich heißt, selbstständig zu sein. Mein Beruf machte mir unheimlich viel Spaß und das tut er heute noch. Also fragte ich meinen Vermieter, ob er mir die Räume der ehemaligen DDR-Physio überlassen würde.

Ich borgte mir ein bisschen Geld von meinem Vater und kaufte die alten DDR-Utensilien.

Mit Freunden und meinem damaligen Ehemann renovierte ich die Praxis 4 Wochen, nebenbei wurden schon die ersten Patienten ins neue Bestellbuch eingetragen.

Ich nähte die Vorhänge für die Kabinen selbst und stellte meine erste Mitarbeiterin ein.

Am 1.7.1991 eröffnete ich meine eigene Praxis. Wir hatten echt zu tun, hatten doch bis Ende Mai 14 Kollegen in der Praxis gearbeitet. Da ich nicht recht wusste, was auf mich zukam, mietete ich jedoch nur das Erdgeschoss an und nicht den Keller, der damals als Bäderabteilung diente.

Wir waren hochmotiviert und benötigten damals fast Rollschuhe, so gut lief das Ganze an. Personell kamen wir schnell an unsere Grenzen.

Ich persönlich arbeitete damals 6 Tage in der Woche 12–14 Stunden. Damals gab es außer meiner nur zwei weitere Praxen, heute sind es wohl bemerkt 7.

Der große Patientenandrang führte dazu, dass ich bald drei weitere Mitarbeiterinnen einstellte.

Von jedem Monatsverdienst kaufte ich neue Geräte und andere Praxisutensilien und ersetzte somit nach und nach die Sachen aus der DDR. Die ersten fünf Jahre flogen so dahin.

Ich habe auch den Garten vor der Praxis mit zupflegen, ein Überbleibsel aus dem DDR-Vertrag und hatte dort einen Gärtner engagiert. Der hat leider etwas übertrieben mit der Lichtung der Grünpflanzen und so geriet ich einen ziemlichen Streit mit meinem Vermieter.

Damals war ich dem noch nicht wirklich gewachsen und beschloss deshalb, mir eigene Räume zu suchen und aus - bzw mit der Praxis umzuziehen. Das Angebot war groß und so fanden sich recht schnell Räume im Parthezentrum.

Damals wurde jedoch auch grad das Graßdorfer Wäldchen gebaut und ich hatte echt Angst, dass sich jemand neues an meinen altbewährten Standort setzten könnte.

Die Wogen mit dem Vermieter glätteten sich bald wieder und so beschloss ich zu bleiben und mutig meine Zweitpraxis zu eröffnen. Am 1.9.1996 gings los in der A.-Bebel-Str. 13a. Ich stellte auch hier anfangs drei, später 5 Mitarbeiterinnen ein und hielt die beiden Praxen jedoch nicht getrennt.

Es ist mir schon immer wichtig, für Mitarbeiter und Patienten eine familiere, liebevolle Atmosphäre zu schaffen, schließlich sind wir ja die meiste Zeit unsres Lebens auf Arbeit.

Um bei mir arbeiten zu dürfen, muss man Menschen lieben, weil ich sie liebe und mein Firmenkonzept ist darauf ausgerichtet, Menschen da abzuholen, wo sie sind und ihnen einen Weg zu zeigen, mehr Eigenverantwortung und Selbstliebe zu entwickeln und aus Opferrollen auszusteigen, sich den Herausforderungen zu stellen und eine höhere Lebensqualität zu erzielen. Dabei werden nicht selten ungeahnte Kräfte frei, wenn es den Patienten gelingt, sich voll und ganz auf uns einzulassen.

Schließlich lautet die Definition von Gesundheit wie folgt:

„Gesundheit ist der Zustand völligen geistigen, körperlichen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“.

Ich lege Wert darauf, dass der Patient in seiner Ganzheit wahrgenommen und behandelt wird und somit lege ich bei der Auswahl meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen großen Wert auf fachliches Wissen und Können und eine hohe Sozialkompetenz.

Ich lernte und lerne noch immer mehr über Menschenführung und mittlerweile macht mir deren Entwicklung zu sehen ebenso viel Spaß, wie die physiotherapeutische Tätigkeit am Patienten selbst.

Als Praxisinhaber hat man Fortbildungspflicht und so habe ich in meiner 30jährigen Berufszugehörigkeit schon um die 30 Fort- und Weiterbildungen besucht. Auch meine Mitarbeiter sind hochmotiviert und ständig bestrebt, sich neues Wissen und Können anzueignen. Somit können wir auf ein breitgefächertes Therapieangebot verweisen.

1996/97 ca. kam es zu einem größeren Einbruch der Patientenzahlen aufgrund der Gesundheitsreform, die Verordnungsmenge wurde eingeschränkt und die Ärzte wussten nicht so recht, was sie durften und was nicht.

Da aber alle Mitarbeiter voll hinter meinem Unternehmen standen, konnten wir diese Krise gut meistern und überstehen. Alle erklärten sich bereit, auf Wochenarbeitsstunden und damit einen gewissen Teil Lohn zu verzichten und dies rettete uns über diese schwierige Periode.

2001 heiratete ich zum zweiten Mal, was erklärt, wieso die Praxis lange Jahre Physiotherapie Zschoch-Seifert hieß.

Anfang des Jahres 2005 zählte mein Unternehmen 19 Mitarbeiter und ich merkte in Ansätzen, das die familiäre Atmosphäre etwas verloren ging, mitunter kam ich nicht mal mehr dazu, ein paar persönliche Worte mit meinen Mitarbeitern zu wechseln. Dies gefiel mir überhaupt nicht und ich wollte daran auf jeden Fall etwas ändern. Es regelte sich jedoch wie von selbst dadurch, dass Mitarbeiterinnen schwanger wurden und danach nicht wieder kamen oder durch einen vollständigen Berufswechsel ihrerseits.

2005 wurde ich dann vom Leben für 6–10 Monate zur Ruhe gezwungen, ich wurde krank Burnout – mein Born in) und konnte meinen Geschäften gar nicht mehr nachgehen.

Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie toll meine Mitarbeiterinnen unter der Leitung von Frau Gattermann den Laden damals gänzlich ohne mich geschmissen haben.

Dieses Ereignis ließ mich innehalten und mein bisheriges Leben reflektieren. Ab da war ich immer noch Leiter, jedoch ein anderer. Ich hatte die wirklichen Werte im Leben erkannt und das veranlasste mich, nachdem ich wieder gesund war, etwas mehr los zu lassen und meinen MA noch mehr Vertrauen zu schenken und sie eigenverantwortlich arbeiten zu lassen, seitdem gehe ich nur noch zwei Mal wöchentlich in die Praxis, um am Patienten zu arbeiten und in der restlichen Zeit kümmere ich mich ums Büro, um Organisation, um mein Haus, meine wundervolle Tochter Tony Sue und seit letztem Winter auch um meinen Hund Otto. Ich hab gelernt, dass Leben mehr zu genießen und gebe dies Erfahrung heute auch gern weiter.

2008 verkaufte ich die Praxis A.-Bebel-Str. an meine Schwester, die ebenfalls Physiotherapeutin ist. Ihr Konzept war jedoch nicht das meine. Nach genau einem Jahr jedoch nahm ich die Praxis im gegenseitigen Einvernehmen  wieder zurück und wir wickelten Vertrag rückwärts ab, ich merkte, das mir das Wohl meiner ehemaligen Mitarbeiter und das der Patienten sehr am Herzen lag.

2008 schloss ich meine Heilpraktikerausbildung ab und 2010-12 nahm ich an einer Ausbildung zum Transformationstherapeuten und Coach nach Robert Betz teil, was mir ein noch viel tieferes Verständnis für den Menschen als Ganzes vermittelt hat und mir unheimlich bei der Arbeit mit den Patienten und der Führung meiner Mitarbeiter hilft.

2012 nahm ich eine Umfirmierung vor und änderte den Praxisnamen in Physiotherapie & Naturheilkunde Steffi Christian, ich war inzwischen von meinem Mann geschieden und wollte nicht, dass meine Firma wie mein Exmann heißt, mit dem ich mich im Übrigen sehr gut vertrage.

2013 veröffentlichte ich mein erstes Buch, ein Praxishelfer zum Thema Burnout, das ich heute liebevoll Born in nenne.

Da ich mich meiner Heimatstadt Taucha sehr verbunden fühle und sehr gern hier lebe und arbeite, freue ich mich natürlich immer wieder darüber, dass ich finanziell in der Lage bin, verschiedene Projekte und Objekte finanziell unterstützen zu können. So sind wir z.B. Sponsor und Partner vom Fit In Gesundheitsstudio, von den Handballern, den Icefightern, wir habe den Bus der Gemeinde mit finanziert, unterstützen gern den Tauchscher, den Weihnachtsmarkt auf dem Schloss und anderes mehr.

Auf 2016 freue ich mich ganz besonders, es ist das Jahr des 25. Geburtstags meiner Firma und aus diesem Anlass habe ich eine Baumpatenschaft übernommen. Diese Linde ist etwa so alt, wie meine Firma und ebenso vielfältig wie ihre Blätter, sind die Menschen, mit denen wir es Tag täglich zu tun haben dürfen. Ja, ich sage bewusst, dürfen, es ist für mich ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit.

Wir betreuen als Firma auch einige Betriebe und führen dort Gesundheit erhaltende Maßnahmen am Arbeitsplatz durch, sind hier bereits in Verhandlung mit weiteren Kooperationen und meine Mitarbeiter und Patienten haben sich gewünscht, die Praxis Graßdorferstrasse etwas zu modernisieren. Dies haben wir bereits in Angriff genommen, der Fußboden wird erneuert, es ist wieder einmal Zeit für neue Vorhänge, die ich heute Gott sei Dank nicht mehr selber nähen muss und meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wollen der Praxis gemeinsam einen neuen Anstrich verabreichen, wo sie ihre eigene persönliche Note und ihre Wünsche und eigenen Ideen einbringen können.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit